Castorstrecken-Aktionstag

zweifelhafte Maulwurfdarstellung
Am 23. November 2010 fanden bundesweit entlang der Castorstrecke rund 120 kleinere und größere Aktionen gegen Atomkraft statt. In knapp zwei Wochen sollen bereits zum zwölften Mal hochradioaktive Abfälle aus der sogenannten Wiederaufbereitungsanlage im französischen LaHague nach Gorleben transportiert werden. Für den 23.November wurde dazu aufgerufen, Aktionen entlang der Strecke vorzubereiten, nochmals für den eigentlichen Termin am 06. November zu mobilisieren und sich nochmal im Voraus mit möglichen Aktionsorten vertraut zu machen.
Im Südwesten fand zudem in Freiburg ein Demo mit rund 1.000, in Heilbronn mit 500 Teilnehmer_innen statt.

Aktion in Berg
In Berg unweit der deutsch-französischen Grenze kamen etwa 50 Menschen nach einem Streckenspaziergang zusammen, bei dem an mehreren Stellen gelbe Holz“X“e hinterlassen wurden. Nachdem sich die Menschen mit Kürbissuppe, Kaffee und Tee gestärkt hatten, machten sich etwa 25 Menschen erneut zu einem kleinen Spaziergang auf um den Ort aufzusuchen, an dem vor zwei Jahren eine Blockadeaktion stattgefunden hatte. Begleitet wurden sie von mindestens ebensovielen Polizist_innen und fünf Polizeigefährten durch den Dreck und Matsch der Feldwege.
Mit polizeilicher Begleitung, die die Strecke „sicherte“, gelangen die Spaziergänger_innen schließlich an die Blockadestelle des letzen Castortransportes. Vor Ort berichteten zwei Aktivist_innen, die damals dabei waren von der Aktion und dem laufenden Prozess.

BloXberg 2008

Im November 2008 gelang es einer kleinen Gruppe unabhängiger Aktivist_innen den Castortransport von LaHague nach Gorleben für über 12 Stunden aufzuhalten. Drei von ihnen ketteten sich an einen Betonblock fest, der im Gleisbett unter den Schwellen versteckt lag. Die Polizei musste mit verschiedensten Geräten und Werkzeugen arbeiten, bis sie die Aktivist_innen befreit hatten, das Gleisbett wieder aufgefüllt hatten und der Castorzug passieren konnte.
Im Sommer 2009 erhielten sechs der Aktivist_innen Strafbefehle wegen (Beihilfe zur) Nötigung über jeweils 60-80 Tagessätze à 10€. Nachdem sie Einspruch gegen die Strafbefehle einreichten, kam es Anfang Oktober diesen Jahres zum Prozess. Auf den Vorschlag, eine Gedenktafel an der Blockadestelle zu errichten, antwortete eine Aktivistin: „Noch mehr würden wir uns über Aktionen freuen, die ihr selbst macht. Wir wollten mit unserer Aktion andere ermutigen, selbst aktiv zu werden. Was wir gemacht haben ist sicher keine Held_innentat. Widerstand ist machbar und gerade auch in kleinen, gut organisierten Bezugsgruppen.“

Prozess 2010
Am 06.Oktober 2010 begann am Amtsgericht Kandel der Prozess gegen die sechs Aktivist_innen. Der erste Prozesstag wurde nach über sieben Stunden beendet, nachdem die Angeklagten keine Anträge mehr stellen durften, ihre prozessualen Rechte also nicht mehr wahrnehmen durften, da sie sie „missbrauchen“ und Richter Sturm schließlich den Saal räumen ließ. Nun sind fünf weitere Prozesstermine angesetzt. Es bleibt also spannend.

Castor 2010
Auch dieses Jahr wird der Castor wieder rollen. Am 06.11 wird er hinter der deutsch-französischen Grenze erwartet. Um zu zeigen, dass Proteste nicht nur im Wendland möglich und nötig sind, soll der Castor gleich mit mehreren Aktionen in Berg begrüßt werden. Kommt mit, demonstriert und blockiert. Und lasst euch von den Maulwürfen verköstigen. Anschließend fahren Busse ins Wendland.
Bis dahin wird die Bahn die gesamte Strecke von Lauterbourg über Berg nach Wörth erneuern (immerhin 15km) und es sich wohl nicht nehmen lassen die Gleise auf mögliche Bloackevorrichtungen genauestens zu durchforsten. Pünktlich zum 06.11 ist die Strecke dann wieder eröffnet.
Und nicht vergessen: Nach dem Castor ist vor dem Castor. Castor von Karlsruhe nach Lubmin stoppen! Castor von Ahaus nach Russland stoppen!