Mehr als Putengeschnetzeltes und „Anti-Atom-Pizza“

Südblockade Berg
Während die dpa in ihrem Artikel (im Spiegel, Süddeutschen, Focus erschienen) „Polizei-Kantine gegen „Volxküche““ Einblicke in die vollen Polizeitöpfe gewährt (Putengeschnetzeltes mit Curry und Reis), klagt die Gewerkschaft der Polizei über leere Teller.
Die Beamt_innen an der Castorstrecke seien oft ohne Verpflegung geblieben – und das bei langen Dauereinsätzen von über 24 Stunden am Stück. Nicht überall kam also Putengeschnetzeltes mit Reis und Curry durch. Aufgrund von Blockaden der Zufahrtstraßen durch Anti-Atom-Aktivist_innen erreichte das Essen die Polizist_innen häufig nicht und musste zum Teil per Hubschrauber transportiert werden, so die Badische Zeitung.
Hinzu kam die nur schlecht funktionierende Kommunikation bei den Polizeibeamt_innen. Die Versorgungstruppen „wussten zum Teil nicht, wo im weiten Wendland die Kollegen stehen“, wobei die ja kaum zu übersehen waren.
Die BZ fasst also zusammen, was unter Berufsrisiko fällt: „Hungrig, übermüdet und kalt – der Wendlandprotest bringt die Polizei an ihre Grenzen.“

Auf der anderen Seite lobten die Zeitungen das Netzwerk der Volxküchen in höchsten Tönen: „Die Versorgung mit Heißgetränken und warmen Speisen klappte hervorragend.“ Neben „Anti-Castor-Pizza“ gab es die obligatorische Linsensuppe, die zwischen den bereits erwähnten Straßenblockaden hindurch gefahren, getragen und geschleppt wurde, bis sie die hungrigen Aktivist_innen bei den Blockaden und selbst im Polizeikessel erreichten.
Neben all den faszinierten und idyllischen Beschreibungen der Presse von der Verpflegung und den Camps mit „Whirlpool“ vergisst mensch schonmal, um was es denn da eigentlich ging. „Ohne Mampf kein Kampf“, na klar und dass Athmosphäre, Stimmung und Miterleben Leser_innen ziehen kann, auch bekannt, aber die eigentliche Message fehlt doch.

Da werden hochradioaktive Abfälle aus deutschen AKWs in der Wideraufbereitungsanlage LaHague „recycled“ quer durch zwei Länder transportiert. Abfälle einer Technologie, die angefangen beim Abbau von Uran, bei der Forschung, bei Unfällen in AKWs, bei gezielten Angriffen mit Atombomben unzählige Menschenleben gekostet hat und weiter kosten wird.
Weltweit gibt es nach wie vor kein Endlager für hochradioaktiven Abfall und ein sicheres wird es auch nie geben. Die Message ist klar und deutlich: AKWs gehören abgeschaltet und zwar sofort.

Die Maulwürfe haben bei der Südblockade in Berg in der Pfalz und in Langendorf im Wendland mit der schwedischen Volxküche Automat nicht zusammen gekocht, damit unser Essen später in der Presse analysiert wird, sondern damit die Leute „draußen“ auf der Straße, auf und in den Gleisen und Bäumen einen vollen Bauch haben und zu schwer sind, um weggetragen zu werden. Wir verstehen uns als ein Teil der Anti-Atom-Bewegung, aber eben als Teil (der Infrastruktur) und nicht mehr. Daran ändern auch keine seitenlangen Zeitungsartikel etwas.
Wir begrüßen es, wenn Menschen Widerstand leisten. Menschen, die sich nicht anders auszudrücken wissen, da ihre Meinung sonst nicht gehört wird. Mehr noch, ihre Interessen und Bedürfnisse systematisch übergangen werden. Doch Atomkraft betrifft uns und viele andere Menschen, die aufgrund noch größerer Repression oder gezielter Falschinformation (wie z.B. beim Uranabbau) gar keine Möglichkeit haben zu protestieren oder gar Widerstand zu leisten.
Mit unseren Kochlöffeln wollen wir also diejenigen unterstützen, die versuchen an den Machtverhältnissen zu rütteln. Und wir werden es wieder tun.
Get off the computers, we‘ll see you on the rail tracks.

  • Video der Südblockade von CineRebelde
  • Bericht und Bider der Südblockade von der Anarchistischen Gruppe Freiburg