Von Couscous und Castor…

Nachttanzblockade Der Maulwurf hat in der Nacht vom 15.2. auf den 16.2. die Nachttanzblockade in Karlsruhe gegen den Castortransport von Karlsruhe nach Lubmin bekocht. Eine Maulwürfin berichtet aus ihrer ganz persönlichen Sicht:

Ich bin fast 40 Stunden auf den Beinen. Meine Hände haben Schrunden vom Spülwasser und meine Beine fühlen sich an wie zwei schwere Klötze, die nicht mehr viel mit mir zu tun haben. Vor allem frage ich mich, für was ich das eigentlich tue? Was hat Essen mit einem sinnvollen und erfolgreichen Protest zu tun? Und wie kann durch Essen ein Atommülltransport blockiert werden?
Tagelang haben wir rumtelefoniert und organisiert. Woher bekommen wir gutes günstiges Gemüse? Woher das Brot? Wer kümmert sich darum, dass Gasflaschen da sind? Und wieviel Kilo Couscous brauchen wir? „Kocht mal für 50-500 Personen!“ heißt es seitens der Organisator_innen. Also kalkulieren wir für 300. Es bleibt die Angst, dass es nicht für alle reicht und zugleich die Hoffnung, dass es mehr Menschen werden, die in dieser kalten Februarnacht auf die Gleise gehen.

Am 15.2. nachmittags geht es los: Aufbauen, Kochplenum, Karotten schnippeln, braten und brutzeln, dann alles in Wärmebehälter. Die erste Runde unseres Menüs wird beim Festplatz in Neureuth ausgegeben. Mit vollem Magen ziehen ca. 700 Aktivist_innen auf die Gleise. Wir braten derweil die nächste Runde Gemüse. Die Blockade ist, als wir dann endlich vor Ort ankommen bereits eingekesselt und wir werden mit unserem Tee nicht mehr reingelassen. Die Polizei beginnt mit unzähligen Beamt_innen die Blockade zu räumen und alle Blockierer_innen kommen in eine spontan errichtete Freiluft – GeSa (Gefangenensammelstelle). Wir wollen ihnen warmes Essen und Tee bringen. Von einer Polizeisperre werden wir zur nächsten geschickt und kommen nicht mehr durch. Also beschließen wir zur GeSa in der Moltkestraße zu fahren, wo wir auch die ersten Freigelassenen mit warmen Tee versorgen. Das Gerücht geht um, dass alle Blockierer_innen dort hingebracht werden sollen. Doch viele weigern sich und so werden nur Vereinzelte in die Moltkestraße gebracht. Nachdem die Aktivist_innen vier Stunden ohne Getränke und Decken in der Eiseskälte festgehalten werden, dürfen wir endlich durch und unser Essen verteilen. Die Freiluft – GeSa wird gegen 6 Uhr morgens aufgehoben. Der Castor ist durch. Noch drei Stunden spülen, einladen, zurück nach Freiburg und endlich ins Bett fallen.

Jetzt, nach ein paar Tagen Erholung kommt die Sinnfrage zurück. Der Castortransport wurde zum wiederholten Male nur kurz blockiert und bei weitem nicht verhindert. Mit einer leisen Wut im Bauch schaue ich rückblickend auf das Verhalten der Polizei und kann es kaum glauben, was in Karlsruhe (mal wieder) passiert ist. Jeglicher Protest gegen Atomkraft wird in Deutschland durch entsprechende Repression unterdrückt und möglichst klein gehalten.
Wie lange lassen wir uns mit unserem Essen von Polizeisperre zu Polizeisperre schicken, wie sehr lassen wir uns verarschen? Oft ist unser Durchkommen vom Wohlwollen der Polizei abhängig. In der GeSa müssten sie die Gefangenen über kurz oder lange selbst versorgen, da kommen wir als Vokü ihnen gerade recht. Wir sehen uns als einen Teil der Anti-Atom-Bewegung und leisten unseren Beitrag durch warmen Essen in der Hoffnung, dass die Menschen zu schwer zum wegtragen werden. Wir bilden somit einen Teil der Infrastruktur, die notwendig ist, um eine gelungene Aktion durchzuführen. Wir hoffen allerdings, dass unser Essen nicht nur die Bäuche der Blockierer_innen füllt, sondern ihnen auch zeigt: Da sind Leute draußen, die da bleiben werden, bis wir auch wieder draußen sind und die sich mit uns solidarisieren.Wir freuen uns, wenn Menschen Widerstand leisten und durch direkte Aktionen ausdrücken, was sie stört, weil sie sonst kein Gehör bekommen. Mit unserem Couscous wollen wir also diejenigen unterstützen, die versuchen an den herrschenden Machtverhältnissen und Strukturen zu rütteln.

So let’s undercook the nuclear waste transport and the whole establishment again and again!!!

Mehr Infos zum Anti-Atom-Protest im Dreyeckand und bundesweit bei contratom