Wer distanziert sich von wem…

Kommando Rhino damalsAm Mittwoch den 03. August wurde der Wagenplatz „Kommando Rhino“ in Freiburg geräumt. Seit zwei Jahren wurde das bis dahin lediglich als Parkplatz genutzte Gelände vom „Kunst- und Kulturkollektiv“ als Kunst-, Wohn- und Freiraum belebt.
Innerhalb weniger Stunden wurde der verbleibende Wagenplatz buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht – Bestrebungen der Rhinos ein Ersatzgelände zu finden, versucht die Stadt Freiburg zu verhindern: Sei es mit der Weigerung des Gemeinderates eine Landschaftsschutzfläche umzuschreiben (was bei sehr vielen Bauvorhaben üblich ist wenn ein sogenanntes übergeordnetes Allgemeinwohl vorhanden ist oder konstruiert wird) oder der Einschüchterung privater Grundstückseigentümer_innen um (potentielle) Zwischenlösungen unmöglich zu machen.

Die Polizei rückte frühmorgens mit einem Großaufgebot (über 200 Fahrzeuge) an, das sie aus ganz Baden-Württemberg zusammengezogen hatte. Angesichts vereinzelter brennender Barrikaden verkündete der Pressesprecher der Polizei Freiburg gegenüber der Badischen Zeitung (BZ), dass die Polizei Freiburg von einer Welle der Gewalt überrollt worden wäre *

Derweil wird von den ehemaligen Bewohner_innen des M1s verlangt, dass sie sich nicht nur von den sogenannten „Linksautonomen“ und den angeblichen Würfen von Molotov Cocktails (was sich als Falschmeldung herausstellte) distanzieren, sondern sie werden verantwortlich dafür gemacht.

Wir – die Maulwurfs, die vor Ort waren – schließen uns hingegen Forderungen an: Herr Salomon, der „grüne“ Oberbürgermeister der Stadt Freiburg, soll sich vom Vorgehen der Polizei distanzieren, welche Mittwochnacht in die KTS und Donnerstagnacht in die Gartenstraße 19 eindrang, da die Polizei hier illegal vorgegangen ist. Außerdem soll er Anzeige gegen diese stellen, da er sonst den Eindruck erweckt, mitschuldig am illegalen Vorgehen der Polizeikräfte zu sein…

Ebenso wie Kommando Rhino lehnen wir Gewalt gegen Menschen ab, wollen uns aber jenseits davon von keiner Aktionsform distanzieren. Was tatsächlich alles in der Räumungsnacht passiert ist, ob Menschen durch Rhino-Sympatisant_innen oder deren Aktionen verletzt wurden, wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht, nicht zuletzt weil Polizei und Presse (allen voran die Badische Zeitung) einen sehr eigenwilligen, aber taktischen Umgang mit Informationen und Falschmeldungen hat.

Ganz unbestritten hatten die Bewohner_innen der Vauban eine unruhige Nacht, wie Polizeisprecher Schmidt nicht bedauert, sondern vorwirft. Die ehemaligen Bewohner_innen von Rhino hatten jedoch ebenfalls eine unruhige Nacht und mit ihnen sämtliche Unterstützer_innen, inklusive den Maulwürf_innen, die versucht haben mit warmen Essen, Tee und viel viel Kaffee die Übernächtigten bei Kräften zu halten. Dass dabei nach Maulwurfart die Spielwiese von SUSI umgegraben wurde und dort nun fast kein Gras mehr wächst, tut uns etwas leid…

Wir hoffen, dass die Menschen von „Kommando Rhino“ in kürzester Zeit wieder einen Platz für ihre Wägen finden und kündigen an dieser Stelle einen deftigen Einweihungsschmaus an.

Solidarische Grüße an Kommando Rhino von den Menschen, die die Tage gekocht haben und den anderen Maulwurfs. Und nach wie vor, jetzt erst recht und sowieso:
Für eins, zwei… viele Wagenplätze in und um Freiburg!

* wir verzichten an dieser Stelle ganz bewusst darauf, die Badische Zeitung zu verlinken